Nerdkultur & Fandom

Wookieepedia weiß alles – aber wer darf sich deshalb Fan nennen?

Ein Fan-Wiki kann ein großartiger gemeinsamer Werkzeugkasten sein. Zur Schranke wird es erst, wenn jemand sein Wissen nicht mehr teilt, sondern damit prüft, wer angeblich dazugehören darf.

Bei einem sonnigen Parkpicknick öffnet eine vielfältige Gruppe ihren Kreis für eine neu ankommende Person mit Fahrradhelm.KI-generiertes Symbolbild
KI-generiertes Symbolbild; keine dokumentarische Aufnahme. Absichtlich ohne Marken, Logos oder erkennbare Figuren.

Auf der Picknickdecke stehen Trauben, eine offene Thermosflasche und drei Bücher mit völlig verschiedenen Lesespuren. Das Bild ist ein Gedankenexperiment, keine beobachtete Szene. Eine Person kommt mit dem Fahrradhelm unter dem Arm dazu, setzt noch nicht einmal an und fragt: „Warum hat Luke Skywalker bei Wookieepedia eigentlich eine Canon- und eine Legends-Seite?“ Jetzt entscheidet sich in ungefähr zehn Sekunden, was diese Runde für eine Community ist. Jemand kann Platz machen und sagen: „Gute Frage, das hängt mit Lucasfilms Neuordnung von 2014 und Wookieepedias eigener Arbeitsweise zusammen.“ Oder jemand kann grinsen: „Wenn du das nicht weißt, bist du wohl neu.“ Der Informationsgehalt beider Antworten ist nicht gleich, aber wichtiger ist zunächst ihr sozialer Zweck. Die erste öffnet eine Welt. Die zweite baut aus derselben Welt eine Schranke. Nerdwissen ist fantastisch, wenn es ein gemeinsamer Werkzeugkasten ist. Es wird armselig, sobald es als Ausweis dafür herhalten muss, wer sich Fan nennen darf.

Eine harmlose Frage kann einen ganzen Raum vermessen

Die Frage nach den beiden Luke-Seiten ist nicht dumm. Sie stößt auf eine reale Besonderheit: Wookieepedia trennt bei bestimmten Figuren die aktuelle Canon-Kontinuität von Legends und erklärt am Beispiel Luke Skywalker, warum beide Fassungen eigene Artikel erhalten. Die FAQ sagt außerdem, dass Teile der Filme in beiden Artikeln auftauchen können und dass dieses Verfahren Wookieepedias internes System ist, nicht Lucasfilms exakte Methode. [1]

Wer das bereits weiß, besitzt kein überlegenes Wesen, sondern einen Vorsprung von vielleicht fünf Minuten Erklärung. Der interessante Teil beginnt mit dem Warum: Ein Wiki möchte widersprüchliche Biografien nicht zu Brei verrühren, ältere Bücher aber auch nicht so behandeln, als hätten sie nie existiert. Plötzlich führt eine kleine Navigationsfrage zu Publikationsgeschichte, Versionsverwaltung und der Frage, was „offiziell“ überhaupt leistet.

Die Gruppe auf der Decke kann den Helm abstellen lassen, ein Getränk reichen und gemeinsam abbiegen: zu Timothy Zahns Thrawn, zu Ahsoka, zu den Filmen oder zu der ganz anderen Art, wie Star Trek sein Material sortiert. Eine einladende Antwort senkt das Niveau nicht. Sie macht mehr Niveau erreichbar.

Lucasfilm ordnete Geschichten neu, keine Menschen

Am 25. April 2014 erklärte Lucasfilm, dass die bisherigen Geschichten des Expanded Universe als Legends weitergeführt würden. Die damalige Mitteilung nannte Star Wars Rebels als erste neue Bildschirmgeschichte der verbundenen Kontinuität und A New Dawn als ersten entsprechenden Roman. Ältere Bücher, Comics und Spiele verschwanden damit nicht materiell; ihr Status gegenüber künftigen offiziellen Erzählungen änderte sich. [2]

Genau hier entsteht ein häufiger Kurzschluss. Aus „Diese Geschichte gehört nicht zur aktuellen offiziellen Kontinuität“ wird „Diese Geschichte ist wertlos“. Aus „Ich kenne die Legends-Biografie von Thrawn“ wird „Ich bin der ernstere Fan“. Beides hängt dem Publisherlabel Aufgaben an, die es nicht erfüllen kann. Eine Kontinuitätsangabe organisiert Erzählungen. Sie misst weder Geschmack noch Treue noch die Intensität einer persönlichen Verbindung.

Jemand darf Thrawn zuerst aus Ahsoka kennen, zuerst Heir to the Empire gelesen haben oder die Figur überhaupt nicht mögen. Diese Wege erzeugen unterschiedliche Gespräche, keine Rangordnung der Menschen. Wer die Publikationsgeschichte kennt, kann die Unterschiede präziser machen. Wer sie als Charakterprüfung benutzt, hat aus Bibliografie eine Türsteherpose gebaut.

Wookieepedia ist Werkzeug, nicht Führerscheinprüfung

Wookieepedia ist nützlich, weil sehr viele Menschen Quellen, Varianten und Details über lange Zeit zusammentragen. Niemand könnte dieselbe Menge allein zuverlässig im Kopf behalten. Gerade das macht die Idee einer Wissensprüfung absurd: Das Wiki existiert, damit Wissen auffindbar ist. Wenn jedes Mitglied es bereits auswendig können müsste, wäre seine wichtigste Funktion überflüssig.

Ein Link kann deshalb zwei völlig verschiedene Gesten sein. „Hier erklärt die FAQ die Trennung, lass uns kurz reinschauen“ teilt ein Werkzeug. „Lies erst das Wiki, bevor du mitredest“ verschiebt die Gesprächslast auf die Person, die noch nicht weiß, wonach sie suchen soll. Dieselbe URL kann Brücke oder Abwimmelbewegung sein.

Cooles Fachwissen zeigt sich nicht in maximaler Datenmenge pro Atemzug. Es wählt das Detail, das die aktuelle Frage beantwortet, nennt Unsicherheit und lässt Anschlussstellen offen. Vielleicht möchte die neue Person nach einer Minute schon zu Grogu, Lichtschwert-Choreografie oder Musik wechseln. Ein Gespräch ist kein Wikiartikel mit Beinen.

Memory Alpha zieht dieselbe Art Grenze an einer anderen Stelle

Memory Alpha setzt für seine In-Universe-Artikel eine eigene Inhaltsregel. Das Wiki orientiert sich vor allem an nichtinteraktiven Film- und Videowerken, also an Serien und Kinofilmen, und beschreibt, wie Konflikte zwischen Fassungen behandelt werden. Zugleich sagt die Policy ausdrücklich, dass sie nicht vorschreiben will, welche persönliche Sicht Fans haben sollen. [3]

Die zugehörige FAQ geht noch weiter: Memory Alpha wolle eine gemeinsame Grundlage anbieten, auf die sich möglichst viele Star-Trek-Fans beziehen können. Lizenzierte Romane und fan-gemachte Inhalte dürfen die persönliche Vorstellung ausdrücklich bereichern; das Wiki sei nicht da, um diese Vorstellung zu kommandieren. [4]

Das ist eine elegante Trennung. Für einen Artikel über Spock braucht die Datenbank einen Scope. Für die Person auf der Picknickdecke braucht niemand eine Gedankenpolizei. Eine Regel kann eng genug sein, um ein Archiv wartbar zu halten, und gleichzeitig weit genug im Kopf, um Menschen nicht auf dieses Archiv zu reduzieren.

Zwei Wikis, zwei Modelle, kein kosmisches Schiedsgericht

Wookieepedias Canon- und Legends-Tabs und Memory Alphas Film-und-Serien-Scope lösen ähnliche Probleme auf verschiedene Weise. Beide müssen festlegen, was auf eine Seite gehört, welche Version Vorrang erhält und wo zusätzliches Material landet. Diese Entscheidungen sind redaktionelle Datenmodelle, keine Naturgesetze ihrer fiktiven Universen.

Für Fans ist das befreiend. Man kann die Ordnung bewundern und trotzdem erkennen, dass sie für einen Zweck gebaut wurde. Wer einen Episodennachweis sucht, braucht eine enge Quellenregel. Wer nach dem Sport mit Freunden über einen Lieblingsroman redet, darf widersprüchliche Fassungen nebeneinander lieben. Präzision hängt an der Aufgabe.

Problematisch wird es, wenn ein Communitymodell seine Reichweite vergisst. Dann wird aus „Auf dieser Seite führen wir nur Bildschirmmaterial“ plötzlich „Nur Bildschirmmaterial zählt“. Oder aus „Der Legends-Artikel ist getrennt“ wird „Legends-Fans leben in der Vergangenheit“. Ein sauberer Scope beschreibt Daten. Gatekeeping bewertet Personen.

Der Wissenstest: Er fragt nicht nach Interesse, sondern nach Unterwerfung

Die erste Gatekeeping-Form ist das Quiz, das niemand als Quiz angekündigt hat. „Wie hieß noch mal der Offizier im Hintergrund von Szene X?“ Die Frage klingt fachlich, doch ihre Funktion zeigt sich an der Reaktion. Wird die Antwort erklärt, beginnt Austausch. Wird ein Fehler genüsslich als Beweis fehlender Zugehörigkeit ausgestellt, war das Detail nur ein Stolperdraht.

Fanlore dokumentiert Gatekeeping als wiederkehrende Grenzziehung über Wissen, Geschmack, Zugang und behauptete Authentizität. [5] Das Wort sollte nicht für jeden Widerspruch benutzt werden. Eine Korrektur mit Quelle kann hilfreich sein. Gatekeeping beginnt dort, wo die Korrektur nicht mehr den Satz verbessert, sondern den Menschen aus dem Raum schieben soll.

Die einfachste Reparatur ist überraschend konkret: die richtige Information sagen, ihren Kontext nennen und eine Gegenfrage stellen, die echtes Interesse signalisiert. „Die zwei Luke-Seiten trennen Kontinuitäten. Welche Geschichte hat dich hergeführt?“ Damit bleibt Expertise sichtbar, aber sie arbeitet für das Gespräch.

Der Konsumtest verwechselt Geld und Zeit mit Hingabe

Die zweite Prüfung lautet: Hast du alles gesehen, gelesen, gespielt und gekauft? In langlebigen Franchises ist „alles“ bereits ein bewegliches Ziel. Dazu kommen Abos, importierte Ausgaben, vergriffene Bücher, Barrieren durch Sprache, Behinderung, Wohnort, Arbeitszeit und Geld. Vollständigkeit ist kein neutraler Maßstab, sondern oft ein Privileg mit Regal.

Ein Fan, der nur Ahsoka gesehen hat, kann eine starke Frage zu Verantwortung oder Schüler-Lehrer-Beziehungen stellen. Eine Person, die jede Star-Trek-Serie kennt, darf trotzdem bei einem Roman passen. Wissen wird nicht ärmer, wenn seine Zugangswege benannt werden. Es wird ehrlicher.

Die Gruppe beim Picknick muss deshalb keine Hausaufgabenliste verteilen. Sie kann sagen, welche Geschichte zu einer Frage passt, welche Ausgabe verfügbar ist und was man getrost überspringen kann. Eine Empfehlung ist ein Geschenk. Eine Pflichtlektüre als Mitgliedsausweis ist bloß Konsumdruck in nerdigem Kostüm.

Der Geschmackstest macht aus Vorlieben eine Moral

Die dritte Schranke funktioniert ohne Faktenfrage. Wer die falsche Serie, Figur, Beziehung, deutsche Synchronfassung oder Ära mag, gilt als oberflächlich. Der Trick besteht darin, Geschmack wie ein objektives Qualitätssiegel zu behandeln und die Person gleich mit zu bewerten. Aus „Ich finde diese Staffel schwach“ wird „Wer sie mag, hat nichts verstanden“.

Kritik darf scharf sein. Niemand muss jede Fortsetzung mögen oder jeden Nostalgieimpuls respektvoll umarmen. Entscheidend ist, ob die Begründung beim Werk bleibt. Man kann über Inszenierung, Figurenführung, Produktionskontext oder Kontinuitätsbruch streiten, ohne der anderen Seite die Fanidentität abzuerkennen.

Ein lebendiger Kreis hält genau diese Spannung aus. Die eine Person liebt politische Weltmodelle, die nächste Monsterdesigns, die dritte eine Nebenfigur wegen zweier guter Szenen. Nicht jeder Geschmack braucht Konsens. Er braucht nur genug Sicherheit, damit Widerspruch nicht als sozialer Ausschluss getarnt wird.

Der Beteiligungstest übersieht stille und andere Formen von Fandom

Die vierte Prüfung fragt, ob jemand sichtbar genug mitmacht: Wiki-Edits, Conventionbesuche, Fanart, Podcasts, Cosplay oder tägliche Chatpräsenz. Doch Menschen beteiligen sich verschieden. Manche bauen Kostüme, manche wissen alles über Musik, manche lesen still, manche kommen zweimal im Jahr und bringen dann eine fantastische Beobachtung mit.

Fandoms eigene Policy-Übersicht richtet sich ausdrücklich an neue wie erfahrene Editoren und beschreibt das Anleiten von Neulingen als Teil einer gesunden Community. [7] Das verschiebt die Verantwortung sinnvoll. Nicht der Neuankömmling muss sofort maximale Produktivität beweisen. Wer die Regeln kennt, kann den ersten sinnvollen Schritt leichter machen.

Mitgliedschaft ist außerdem größer als Plattformarbeit. Ein gutes Wiki braucht aktive Pfleger, darf aber nicht jede lesende Person zu unbezahlter Redaktion verpflichten. Ein Clubabend braucht Beiträge, aber niemand muss moderieren, fotografieren und aufbauen, um ein ernsthafter Fan zu sein. Unterschiedliche Energie ist kein Charakterfehler.

Der Zugangstest tarnt Privileg als Authentizität

Die fünfte Form ist besonders tückisch: seltene Erstauflagen, Premieren, teure Sammlerstücke oder persönliche Kontakte werden zum Beweis vermeintlicher Echtheit. Besitz kann Quellenzugang schaffen. Er macht eine Behauptung nicht automatisch richtig und eine Person nicht automatisch großzügig, klug oder wichtig.

Wer eine seltene Ausgabe besitzt, kann anderen Fundstelle, Foto im rechtlich zulässigen Umfang oder genaue bibliografische Angabe liefern. Dann verwandelt sich exklusiver Zugang in gemeinsames Wissen. Wer nur andeutet, er kenne die Wahrheit aus einem unzugänglichen Objekt, verlangt Glauben an Status statt Prüfung.

Das gilt auch offline. Eine Person ohne Conventionbudget, Großstadtanschluss oder freie Wochenenden kann tief im Thema sein. Der offene Picknickkreis kostet in diesem Gedankenexperiment keinen Eintritt. Sein eigentliches Versprechen lautet: Du musst deinen Lebenslauf nicht rechtfertigen, bevor deine Frage interessant werden darf.

Moderation ist nicht das Gegenteil von Offenheit

Nicht jede Grenze ist Gatekeeping. Spam muss entfernt, Belästigung gestoppt, persönliche Information geschützt und ein nachvollziehbarer Artikelscope verteidigt werden. Eine Community ohne Grenzen ist nicht automatisch frei; oft gewinnt dann einfach die lauteste oder rücksichtsloseste Person.

Die Fandom Community Guidelines verbinden Zusammenarbeit mit respektvollem Umgang, Schutz persönlicher Daten und fairer Zuschreibung. [6] Der Wikimedia Universal Code of Conduct formuliert ebenfalls Mindeststandards gegen Belästigung und Machtmissbrauch und für inklusive Beteiligung. [8] Solche Regeln schützen den Raum, in dem unterschiedliche Fans überhaupt streiten können.

Der Unterschied liegt in der Begründung und Anwendung. „Diese persönliche Beleidigung endet jetzt“ begrenzt Verhalten. „Du kennst den Kanon nicht, also verschwindest du“ bewertet Identität. Eine gute Moderation nennt Regel, beobachtbares Verhalten, Konsequenz und möglichen Einspruch. Sie braucht keine öffentliche Demütigung als Spezialeffekt.

Qualitätssicherung kann korrekt und trotzdem sozial teuer sein

Große Wikis brauchen Reverts, Schutzrechte, Filter und formale Belegregeln. Ohne sie zerfallen Seiten unter Spam und unbelegten Behauptungen. Doch ein System kann einzelne Fehler zuverlässig abweisen und zugleich seine künftigen Mitwirkenden verlieren. Technische Trefferquote und soziale Zukunft sind zwei verschiedene Qualitätsmaße.

Halfaker und Kollegen analysierten Wikipedia und verbanden den Rückgang neuer Beitragender unter anderem mit restriktiverer Qualitätssicherung und algorithmisch unterstützten Zurückweisungen. [9] Daraus folgt keine identische Ursache für jedes Fan-Wiki. Es ist aber ein starker Warnhinweis: Eine korrekte Ablehnung ohne verständlichen Lernweg kann das offene System langfristig verengen.

Die bessere Rückmeldung sagt nicht bloß „falsch“, sondern benennt den tragfähigen Teil, die fehlende Quelle und eine nächste Handlung. Vielleicht war die Luke-Behauptung der falschen Kontinuität zugeordnet. Dann wird der Satz verschoben, ein Link gesetzt und erklärt, warum. Der Mensch muss nicht mit dem fehlerhaften Edit zusammen verworfen werden.

Expertise wird cool, wenn sie eine Abkürzung für andere baut

Erfahrung ist wertvoll. Jemand kennt die Editionsgeschichte, erkennt Übersetzungsunterschiede oder weiß, warum eine Seite jahrelang umstritten war. In einer guten Community verwandelt sich dieser Vorsprung in Glossare, klare Quellen, kleine Erklärungen und den Satz „Ich zeige dir, wo das steht“.

Statuswissen klingt anders. Es häuft Namen und Abkürzungen an, obwohl eine kurze Antwort reichen würde. Es korrigiert Nebensachen, um Gesprächskontrolle zu gewinnen. Es erwartet Dankbarkeit für Verwirrung. Das ist nicht besonders nerdig, sondern eine gewöhnliche Dominanztechnik mit Raumschiffvokabular.

Die Person mit der größten Lorekenntnis darf selbstverständlich begeistert ausholen, wenn die anderen das möchten. Der Unterschied ist Zustimmung. Ein „Willst du die kurze oder die wilde Version?“ hält beide Möglichkeiten offen. Fachwissen verliert nichts, wenn es vorher anklopft.

Ein guter Kreis hat mehrere Türen und keinen geheimen Händedruck

Offenheit wird praktisch, nicht atmosphärisch. Termine brauchen erreichbare Angaben, Gespräche verständliche Einstiegspunkte und Online-Räume sichtbare Regeln. Eine neue Person sollte erkennen können, wo Fragen hingehören, welche Themen Schutz brauchen und wie sie widersprechen darf. Unsichtbare Normen belohnen nur jene, die zufällig ähnlich sozialisiert sind.

Der reale Fandom-Leitfaden formuliert Zusammenarbeit als gemeinsame Arbeit und fordert dazu auf, Menschen gut zu behandeln. [6] Das klingt schlicht, wird aber anspruchsvoll, sobald Ironie, Insiderwitz und schnelle Gruppendynamik einsetzen. Ein Kreis öffnet sich nicht dadurch, dass irgendwo theoretisch noch Platz ist. Die Menschen müssen Platz machen.

Beim Picknick heißt das: Tasche weg, Name wiederholen, die laufende Diskussion in zwei Sätzen zusammenfassen. Online kann es ein Willkommenskanal, ein konkretes Beispiel oder eine Antwort ohne fünf Richtlinienlinks sein. Keine dieser Gesten verlangt künstliche Fröhlichkeit. Sie verlangt nur, dass Zugehörigkeit nicht erraten werden muss.

Die beste Lore-Antwort hat mehr als eine Geschwindigkeit

Nicht jede Frage ist eine Einladung zu zwanzig Minuten Kontinuitätsgeschichte. Manchmal will jemand nur verstehen, welchen der beiden Luke-Artikel ein Suchergebnis meint. Dann reicht die schnelle Fassung: „Canon ist die aktuelle offizielle Kontinuität, Legends sammelt die älteren Expanded-Universe-Geschichten; Wookieepedia hält beides getrennt.“ Das ist knapp, korrekt genug für den Moment und öffnet eine Rückfrage.

Die mittlere Fassung ergänzt das entscheidende Datum und die Zuständigkeiten. Lucasfilm ordnete das Expanded Universe 2014 als Legends neu; Wookieepedia entwickelte daraus eine eigene Artikelstruktur, die laut eigener FAQ nicht in jedem Detail Lucasfilms Ansatz abbildet. [1] [2] Nun weiß die neue Person nicht nur, dass zwei Tabs existieren, sondern auch, warum Publisherentscheidung und Wiki-Datenmodell auseinandergehalten werden müssen.

Erst die tiefe Fassung geht in Publikationsfolgen, Clone-Wars-Sonderfälle, neue und ältere Thrawn-Biografien oder die Frage, wie Filme in beiden Artikelzweigen behandelt werden. Sie ist kein verbotener Lore-Schwall. Sie braucht nur ein echtes Signal, dass die andere Person genau dort weitergehen möchte. Begeisterung ist ansteckend, wenn sie Raum lässt, und erdrückend, wenn sie jede Pause als Aufforderung missversteht.

Diese Geschwindigkeiten schützen auch Experten vor der Rolle des kostenlosen Dauerauskunftsschalters. Niemand muss auf jede beiläufige Frage ein Seminar liefern. Eine kurze Antwort kann freundlich und vollständig für den Anlass sein; ein Link kann den Rest auffangbar machen. Offenheit bedeutet nicht unbegrenzte Verfügbarkeit, sondern einen ehrlichen Übergang zwischen „Das ist die Kurzfassung“ und „Darüber rede ich gerade gern weiter“.

Am Picknick kann die Person mit dem größten Vorwissen also zunächst zwei Sätze anbieten und danach wieder in die Runde hören. Vielleicht will jemand widersprechen, vielleicht an Memory Alpha anknüpfen, vielleicht einfach eine Traube. Das ist keine verlorene Gelegenheit zur Belehrung. Es ist der Moment, in dem Wissen seine richtige Größe für ein soziales Leben findet.

Die Luke-Frage endet besser, wenn niemand sie gewinnt

Zurück auf der Decke hat jemand nun erklärt, warum Wookieepedia zwei Luke-Seiten führt. Eine andere Person ergänzt, dass Memory Alpha seinen Scope anders zieht. Die neue Person sagt vielleicht: „Okay, dann ist Canon also eine Sortierregel und keine Rangliste meiner Lieblingsgeschichten.“ Das wäre schon ein starkes Ergebnis. Niemand musste Wissen verstecken, um interessant zu bleiben, und niemand musste Unwissen vortäuschen, um freundlich zu wirken. Die Präzision blieb erhalten; nur der Machtkampf fiel weg.

Danach darf das Gespräch seine Richtung verlieren. Vielleicht geht es zu der Frage, welche Version von Thrawn besser funktioniert, warum Spock in unterschiedlichen Serien anders gelesen wird oder weshalb Ahsoka für jemanden der Einstieg war. Ein gutes Fandomgespräch muss nicht mit einer abschließenden Wahrheit enden. Es kann mit drei neuen Neugierden aufhören.

Der Helm liegt inzwischen im Gras, die Gruppe ist ein Stück zusammengerückt, und niemand hat einen Test bestanden. Auch diese Szene bleibt erfunden. Aber ihr Maßstab ist brauchbar: Wissen macht den Raum größer, wenn es Orientierung gibt und Anschluss schafft. Wenn es Menschen sortiert, wird selbst die vollständigste Datenbank klein.

Wookieepedia-FAQ, Lucasfilms Canon-Neuordnung, Memory-Alpha-Regeln, Fanlore zu Gatekeeping, Fandom- und Wikimedia-Verhaltensregeln sowie Forschung zur Bindung neuer Wikipedia-Beitragender

  1. Wookieepedia – Frequently Asked Questions (community-governance-primary)
  2. StarWars.com – The Legendary Expanded Universe Turns a New Page (publisher-primary)
  3. Memory Alpha – Content policy (community-governance-primary)
  4. Memory Alpha – Content policy FAQ (community-governance-primary)
  5. Fanlore – Gatekeeping (community-archive)
  6. Fandom – Community Guidelines (platform-community-policy-primary)
  7. Fandom – Policies (platform-policy-primary)
  8. Wikimedia Foundation – Universal Code of Conduct (foundation-policy-primary)
  9. Halfaker et al. – The Rise and Decline of an Open Collaboration System (research-primary)

Recherche- und Redaktionsstand: 17. August 2026. Redaktionell verantwortlich: Benjamin Metzig.

Geschrieben & verantwortet von

Benjamin Metzig

Gründer und Autor von Tiefnerdig. Liebt konkrete Namen, klare Urteile und Quellen, die tatsächlich halten, was der Text ihnen zuschreibt.

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